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Folgestudie zu Legionellen zeigt jahreszeitlichen Effekt: im Sommer 20% weniger Befall als im Winter

Am 31. Januar 2018 präsentierte Prof. Dr. Thomas Kistemann vom Hygieneinstitut des Unversitätsklinikums Bonn erste Resultate aus der Folgestudie "Vorkommen von Legionellen in Trinkwasser-Installationen – Ergebnisse des Monitoring-Projekts II" vor den Sponsoren des Arbeitskreises "Wasseranalytik" der Firmen im Gas- und Wasserfach e. V.

Die Datenqualität war gegenüber der Ausgangsstudie deutlich erhöht. So konnten die Trinkwasserdatensätze überwiegend eindeutig Vorlauf, Rücklauf und Peripherie zugeordnet werden.

Die Quote der Proben, die den technischen Maßnahmenwert von 100 Kolonie bildenden Einheiten je 100 ml Trinkwasser überschritten, lag mit 6,0% in etwa so hoch wie bei der ersten Statusanalyse 2015 (5,6%). Interessant ist, dass ein jahreszeitlicher Effekt nachgewiesen werden konnte. So traten im Sommer 20% weniger Legionellenüberschreitungen auf als im Winter.

Die Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser ist die Hauptanforderung an die Wasserversorgung. Die Überwachung des Trinkwassers von der Quelle bis zum Wasserhahn ist ein essentieller Schritt zur Sicherstellung einwandfreier Trinkwasserqualität.

Mittels einer zweiten systematischen und bundesweiten Bestandsaufnahme vorliegender Daten zur Trinkwasserqualität in Gebäuden sollte das Ausmaß der Verunreinigung von Trinkwasser in Trinkwasser-Installationen mit Legionellen in Deutschland räumlich (Vorlauf, Rücklauf, Peripherie) und zeitlich (Jahreszeiten) differenzierter untersucht werden. Hierzu wurden Datensätze von vier Laboren und Trinkwasserkontrolldienstleistern zusammengeführt (>300.000 Probenahme-Ergebnisse).

Ziel des vorliegenden Projekts war die Erarbeitung einer systematischen, hygienisch-mikrobiologischen Statusanalyse zum Vorkommen von Legionellen in Trinkwasser-Installationen sowie die induktive und explorative Prüfung von Risikofaktoren für das Vorkommen von Legionellen. Der technische Maßnahmenwert für Legionellen (100 KBE/ 100 ml) wurde insgesamt in 6 % aller Proben überschritten (Statusanalyse I, Ende 2015: 5,6%). Die höchste Überschreitungsquote fand sich mit 8% bei den peripheren Proben, während diese im Vorlauf (1%) und Rücklauf (2%) deutlich geringer war.

Die vergleichende Risikoanalyse zeigte, dass sich das Risiko der Überschreitung kritischer Legionellen-Konzentrationen in Abhängigkeit von einer kritischen Temperaturgrenze sehr deutlich unterscheidet und die hierfür in ROC-Analysen identifizierten cut-off-Temperaturen plausibel und sinnvoll sind: für Vorlaufproben (cut-off: 60°C) ist das Risiko unter der cut-off-Temperatur um das 18,7fache erhöht, für Rücklaufproben (cut-off: 55°C) um das 7,5fache, und für Peripherieproben (cut-off: 48°C) um das 2,5fache.

Die Temperatur konnte also zweifelsfrei als signifikanter Einflussfaktor auf die Legionellen-Konzentration bestätigt werden. Es wurde aber auch wiederum deutlich, dass die Temperatur nicht allein die Variation des Vorkommens von Legionellen in Trinkwarmwasser-Installationen erklären kann. Die thermischen Anforderungen an den Betrieb von Großanlagen des DVGW-Arbeitsblattes W551 (60°C / 55°C) werden durch die Untersuchungen aus dem Realbetrieb der Trinkwasseranlagen erstaunlich genau bestätigt.

Lediglich für die Peripherie gibt es einen, allerdings statistisch nicht sehr belastbaren Hinweis auf eine möglicherweise niedrigere akzeptable Cut-off-Temperatur (48°C). Bei der Bewertung ist zu berücksichtigen, dass es sich um Resultate handelt, die aus einem sehr heterogenen Gebäude- und Anlagenbestand generiert wurden. Nur ein kleinerer Teil der Objekte wird alle aktuellen Anforderungen hinsichtlich thermischer Isolierung, Zirkulation, Stagnationsvermeidung etc. einhalten. Insofern dürfen diese Ergebnisse nicht ohne weiteres auf Neuanlagen mit durchweg günstigen Betriebsbedingungen, welche gemäß aktuell gültiger, allgemein anerkannter Regeln der Technik errichtet werden, übertragen werden.

Obwohl das Temperaturregime in den Warmwasser-Installationen sich offensichtlich im Jahresgang nur geringfügig verändert, konnte bezüglich des Legionellen-Nachweises ein jahreszeitlicher Effekt nachgewiesen werden: das Risiko ist im Sommer niedriger als im Winter, der Unterschied beträgt immerhin fast 20%. Andere Faktoren als die Wassertemperatur müssen diesen Effekt verursachen. Ob dies zum Beispiel ein saisonal verändertes Wasserverbrauchsverhalten ist, müsste durch entsprechende Untersuchungen bestätigt werden.

Auskunft zur zweiten bundesweiten Statusanalyse erteilt auf Anfrage der Leiter des figawa-Arbeitskreises Lars Neveling (www.figawa.org).